Warum fotografieren?
Menschen haben offenbar einen Instinkt, Dinge festhalten zu wollen. Nicht alles. Nur bestimmte Momente. Besondere Situationen, die sich anders anfühlen als der Rest.
Vielleicht ist es Erinnerungskultur. Vielleicht auch nur der Versuch, etwas nicht ganz verschwinden zu lassen. Oder der Versuch eine Szene zu ordnen und zugänglich zu machen. Bewusst oder unbewusst.
Ich fotografiere nicht, um Beweise zu sammeln. Und auch nicht, um etwas zu „erzählen“ (noch nicht). Meistens weiß ich selbst nicht genau, warum ich auf den Auslöser drücke. Es gibt einen kurzen Moment, in dem etwas hängen bleibt. Licht. Struktur. Eine Stimmung. Manchmal auch nur ein Detail, das nicht überpräsent ist und oft übersehen wird.
Für wen fotografiere ich? Gute Frage.
Sicher nicht nur für mich, sonst wären wir jetzt nicht hier. Aber auch nicht für „die Öffentlichkeit“ oder ausschließlich für den Endlos Feed auf Social Media. Eher für diesen schmalen Bereich dazwischen – wo ein Bild nicht erklärt werden muss, aber trotzdem etwas auslöst.
Vielleicht ist Fotografieren am Ende wirklich nichts weiter als ein ruhiger Widerstand gegen das Vergessen, eine Versicherung. Oder einfach nur ein guter Vorwand, genauer hinzusehen.